Die Erste: Nichtantritt

Meisterschaftsspiel Bezirksliga: FC Anadolu Radolfzell gegen SC Konstanz-Wollmatingen, Sonntag, den 19.05.2019, 15:00 Uhr.



FC Anadolu Radolfzell - SC Konstanz-Wollmatingen


Die Mannschaft, der Vorstand, die Trainer und Betreuer haben gemeinsam entschieden, das Spiel nicht anzutreten.

 

Aufgabe des Vorstandes ist es u.a. die Gesundheit der Spieler und aller Vereinsmitgliedern bei sportlichen Aktivitäten für den Verein und auf dem Sportgelände nach den dem Verein zu Verfügung stehenden Möglichkeiten vor gesundheitlichen und psychischen Gefahren zu schützen.

 

Für viele Spieler des SC Konstanz-Wollmatingen dreht sich seit der Kindheit beinahe alles um den Fußball. Für diese Spieler heißt es neben ihrem Studium oder ihren Berufen als Lehrer, Juristen und Dachdecker, jedes Wochenende aufs Neue Leidenschaft und Spaß am Sport auf den Sportplatz zu bringen.

 

Was am 3.11.2018 während dem Spiel gegen den FC Anadolu Radolfzell passierte, hat diese Jungs noch wochenlang beschäftigt und für den Großteil der Mannschaft den Entschluss reifen lassen, gegen Anadolu nicht antreten zu wollen.

 

Diese Entscheidung wurde nicht nur durch die Befürchtung, dass sich ein solches Ereignis wiederholt, beeinflusst. Vor allem sorgen sich die Spieler um den - „ihren“ - Fußball, den sie so lieben und für den sie gerne Wochenende um Wochenende opfern.

 

Die Mannschaft und der Verein möchten mit dem Nichtantritt ein Zeichen setzen, dass solche Geschehnisse auf dem Sportplatz nichts zu suchen haben und dass der Verband nicht weiterhin die Augen verschließen darf.

 

Das Geschehen hätte vom Verband und beiden Vereinen sorgsam aufgearbeitet und sanktioniert werden müssen. Eine Aufarbeitung vermissen wir auf der Seite unserer Sportskollegen vom FC Anadolu Radolfzell.

 

Die Spieler fühlen sich vor allem vom Verband im Stich gelassen. Der Verband hat nicht den Willen gezeigt, die „Wahrheit" herauszufinden. Den beiden Vereinen wurden Geldstrafen auferlegt, ein einziger Spieler wurde gesperrt und bei den weiteren Spielen wurde lediglich ein Gesandter zur Überprüfung der Stellung eines Ordners nach Konstanz geschickt. Eine weitere, tiefer gehende Aufarbeitung fand nicht statt. So entstand für die Mannschaft der Eindruck, der Verband sehe über derartige Vorfälle hinweg und lasse die betroffene Mannschaft und deren Spieler mit ihren Sorgen und Nöten alleine. Dabei wusste der Verband, dass ein Spiel, das 14 Tage vorher zwischen der SG Waldsiedlung Reichenau und dem FC Anadolu Radolfzell stattgefunden hat, durch ähnliche Vorkommnisse zwar nicht ab- aber unterbrochen wurde.

 

Damit sich in Zukunft etwas ändert, braucht es Mut und den Willen zur Veränderung. Dass der Schiedsrichter das Spiel abbricht, aber quasi nichts gesehen haben mag, ist aus unser Sicht nur schwer nachvollziehbar. Dass ein Spieler gesperrt wird, der sicherlich nicht unschuldig war, aber 10 weitere Spieler, die auf einen am Boden liegenden Spieler mit Stollenschuhen eintreten, ungeschoren davon kommen, ist ebenso wenig zu rechtfertigen. Dass im Anschluss alles auf einen fehlenden Ordner geschoben wird, der in diesem Falle absolut nichts bewirkt hätte, zeugt von mangelnder Selbstkritik.

 

Deshalb möchten wir ein Zeichen setzen, damit in solchen Situationen zukünftig nicht einfach geschwiegen und weggeschaut wird. Dazu haben uns zahlreiche Bezirksligakonkurrenten ermutigt, die uns in den Tagen und Wochen nach dem Vorfall Verständnis entgegen brachten und dabei von ihren negativen Erfahrungen mit den wiederkehrend selben Gegnern berichteten.

 

Wie alle wünschen wir, dass der Fußball auch künftig im Zentrum der sportlichen Auseinandersetzung in unser Liga stehen wird. Wir können und wollen aber nicht dulden, dass Vereine, die den Fair-Play-Gedanken mit Füßen treten, weiterhin unbehelligt ihr Unwesen treiben. So lange wir das aber dulden müssen, werden wir uns solchen Begegnungen in unserer Freizeit nicht aussetzen.